In Wohnräumen liegt der sinnvolle Zielbereich bei 24 bis 26 °C, EnergieSchweiz nennt 22 bis 26 °C. Entscheidender als der absolute Wert ist aber die Differenz zur Aussentemperatur: Als Faustregel sollte sie etwa 6 °C nicht überschreiten. An einem 34-Grad-Tag bedeutet das rund 28 °C im Raum, nicht 21 °C. Das schont Kreislauf und Stromrechnung gleichermassen – und der Raum fühlt sich trotzdem deutlich kühler an, als die Zahl vermuten lässt.
Das Wichtigste in Kürze
- Zielbereich Wohnräume: 24 bis 26 °C. Schlafzimmer eher 22 bis 25 °C, Büro nach SECO-Empfehlung 23 bis 26 °C.
- 6-Grad-Regel: Der Unterschied zur Aussentemperatur sollte rund 6 °C nicht übersteigen. Grössere Sprünge belasten den Körper und kosten überproportional Energie.
- Tiefer einstellen kühlt nicht schneller. Die Solltemperatur ist ein Zielwert, kein Gaspedal.
- Luftfeuchte entscheidet mit. 26 °C bei 40 Prozent Feuchte fühlen sich völlig anders an als bei 70 Prozent.
- Luftführung nie direkt auf Personen. Zugluft ist der häufigste Grund, warum Menschen Klimaanlagen unangenehm finden.
- Ein Ventilator erlaubt 1 bis 2 °C mehr Solltemperatur bei gleichem Komfort und braucht selbst nur 20 bis 50 Watt.
Welche Temperatur passt zu welchem Raum?
Die eine richtige Zahl gibt es nicht, weil Nutzung, Kleidung und Aktivität mitentscheiden. Diese Werte funktionieren in der Praxis:
| Situation | Empfohlene Solltemperatur | Bemerkung |
|---|---|---|
| Wohnzimmer, Tagesaufenthalt | 24 bis 26 °C | Bei Aussentemperaturen über 32 °C eher am oberen Ende |
| Schlafzimmer nachts | 22 bis 25 °C | Mit Nachtmodus, Luft nie aufs Bett gerichtet |
| Büro, sitzende Tätigkeit | 23 bis 26 °C | Empfehlung des SECO für die warme Jahreszeit |
| Kinderzimmer | 24 bis 26 °C | Kleiner Temperatursprung beim Betreten und Verlassen |
| Raum mit Kranken oder älteren Personen | 24 bis 26 °C | Grosse Sprünge vermeiden, ärztlichen Rat einholen |
| Küche während des Kochens | 25 bis 27 °C | Interne Wärmelast ist hoch, tiefere Werte kosten viel |
Auffällig ist, wie eng die Bereiche beieinanderliegen. Der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Einstellung liegt selten bei fünf Grad, sondern bei zwei – und diese zwei Grad machen bei den Stromkosten trotzdem einen sichtbaren Unterschied, weil die Anlage entsprechend länger läuft.
Die 6-Grad-Regel: woher sie kommt
Die Faustregel besagt, dass die Innentemperatur nicht mehr als etwa 6 °C unter der Aussentemperatur liegen sollte. Sie hat zwei unabhängige Begründungen.
Physiologisch: Der Körper braucht Zeit, um sich an Temperaturwechsel anzupassen. Wer bei 35 Grad draussen in einen 21 Grad kühlen Raum tritt, erlebt einen Sprung von 14 Grad. Das kann Schleimhäute reizen, Muskelverspannungen begünstigen und bei empfindlichen Personen den Kreislauf belasten. Was daran gesichert ist und was Mythos, ordnet der Artikel Macht die Klimaanlage krank? ein.
Energetisch: Je grösser die Temperaturdifferenz, desto mehr Wärme strömt durch Wände, Fenster und Türen nach – und desto länger und härter arbeitet der Kompressor. Der Zusammenhang ist nicht linear: Die letzten Grade sind die teuersten, weil das Gerät gegen einen immer stärkeren Wärmestrom von aussen arbeitet.
Wo die Regel an Grenzen stösst: An einem 39-Grad-Tag – wie ihn der Sommer 2026 gebracht hat – wären 33 °C im Raum theoretisch regelkonform und praktisch unbrauchbar. In solchen Fällen gilt die Regel als Richtung, nicht als Gesetz: Geh so tief, wie du für Erholung brauchst, aber nicht tiefer als nötig. 26 °C sind an einem 39-Grad-Tag ein sehr guter Wert.
Mythos 1: Tiefer einstellen kühlt schneller
Das ist der hartnäckigste Irrtum, und er kostet echtes Geld.
Die Solltemperatur sagt der Anlage, wann sie aufhören soll, nicht wie schnell sie arbeiten soll. Ein Inverter-Gerät fährt nach dem Einschalten ohnehin mit hoher Leistung hoch und drosselt erst, wenn es sich dem Zielwert nähert. Ob du 18 °C oder 25 °C einstellst, ändert an dieser Anfangsphase nichts.
Was sich ändert: Bei 18 °C hört das Gerät nicht bei 25 °C auf, sondern kühlt weiter – lange über den Punkt hinaus, an dem es angenehm war. Danach ist der Raum zu kalt, du drehst hoch oder schaltest aus, und das Spiel beginnt von vorn. Das Ergebnis ist mehr Stromverbrauch, ein unruhigerer Temperaturverlauf und häufig Zugluftgefühl.
Die richtige Vorgehensweise ist unspektakulär: Zieltemperatur einstellen, Lüfterstufe auf hoch für die erste Viertelstunde, dann auf automatisch oder leise stellen. Die Lüfterstufe beeinflusst die Abkühlgeschwindigkeit tatsächlich – die Solltemperatur nicht.
Mythos 2: Durchlaufen lassen ist immer Verschwendung
Hier ist die Antwort tatsächlich «es kommt darauf an», und zwar auf zwei Faktoren: die Technik deines Geräts und dein Nutzungsmuster.
Inverter-Gerät, ganztägige Nutzung: Durchlaufen mit moderater Solltemperatur ist meist die effizientere Variante. Das Gerät arbeitet im Teillastbetrieb bei niedriger Drehzahl, und genau dort ist es am effizientesten. Jedes vollständige Herunterkühlen eines aufgeheizten Raums kostet mehr als das Halten einer erreichten Temperatur.
Raum wird nur abends genutzt: Gezieltes Einschalten gewinnt. Ein leerer Raum, der acht Stunden lang auf 25 °C gehalten wird, kostet Strom ohne Nutzen.
Ältere Geräte ohne Inverter: Diese takten hart zwischen voller Leistung und aus. Hier bringt Dauerbetrieb keinen Effizienzvorteil.
Was in keinem Fall sinnvoll ist: die Anlage von Mai bis September durchlaufen zu lassen. Die Rechengrundlagen für dein Gerät findest du unter Stromverbrauch einer Klimaanlage.
Mythos 3: Je kälter, desto trockener die Luft
Halb richtig, und die falsche Schlussfolgerung.
Richtig ist: Beim Kühlen kondensiert Wasser am Verdampfer, die Anlage entfeuchtet also nebenbei. Falsch ist die Folgerung, dass tiefere Solltemperaturen der Weg zu angenehmerer Luft sind. Wenn dich die Schwüle stört und nicht die Temperatur, ist der Entfeuchtungsbetrieb der bessere Hebel: Er senkt die relative Luftfeuchte bei moderater Kühlung und braucht dabei weniger Energie als aggressives Kühlen.
Der umgekehrte Effekt ist auch real: Wer dauerhaft sehr tief kühlt, bekommt trockene Raumluft mit gereizten Schleimhäuten und trockenen Augen. Der Zielbereich für die relative Luftfeuchte liegt bei rund 40 bis 60 Prozent.
Warum 26 °C nicht gleich 26 °C sind
Die gefühlte Temperatur hängt an vier Grössen, von denen das Thermometer nur eine misst:
- Lufttemperatur: die Zahl auf dem Display.
- Luftfeuchtigkeit: Bei 70 Prozent relativer Feuchte verdunstet Schweiss schlecht, und 26 °C fühlen sich drückend an. Bei 40 Prozent sind dieselben 26 °C angenehm.
- Luftbewegung: Bewegte Luft erhöht die Verdunstung. Ein Ventilator macht 26 °C gefühlt wie 24 °C – bei einem Stromverbrauch von 20 bis 50 Watt statt mehreren hundert.
- Strahlungstemperatur: Eine aufgeheizte Wand oder eine sonnenbeschienene Fensterscheibe strahlt Wärme ab, auch wenn die Luft kühl ist. Deshalb wirkt eine Dachwohnung bei gleicher Lufttemperatur wärmer als eine Erdgeschosswohnung.
Die praktische Konsequenz: Bevor du die Solltemperatur senkst, prüfe die anderen drei Faktoren. Ein Ventilator und geschlossene Storen bringen mehr Komfort pro Franken als zwei Grad tiefer eingestellte Kühlung. Die passiven Hebel stehen unter Wohnung kühlen ohne Klimaanlage.
Lüfterstufe, Luftführung, Nachtmodus
Drei Einstellungen jenseits der Temperatur entscheiden über den Alltagskomfort:
Lüfterstufe. Hoch beim Herunterkühlen, danach automatisch oder leise. Die Automatik regelt die Drehzahl passend zur Restlast und ist in den meisten Fällen die beste Wahl.
Luftführung. Richte die Lamellen nie direkt auf Personen. Kühle Luft ist schwerer und sinkt ohnehin ab; bläst du sie nach oben oder gegen die Decke, verteilt sie sich gleichmässig. Direkte Anströmung ist der Hauptgrund, warum Menschen von Klimaanlagen Nackenverspannungen und trockene Augen bekommen.
Nachtmodus. Fast jedes Gerät hat eine Sleep- oder Nachtfunktion. Sie hebt die Solltemperatur über die Nacht schrittweise an – meist um ein bis zwei Grad – und reduziert gleichzeitig die Lüfterdrehzahl. Das passt zur Körpertemperatur im Schlafverlauf, senkt den Verbrauch und macht das Gerät leiser. Was im Schlafzimmer sonst zählt, steht unter Klimaanlage im Schlafzimmer.
Was die Einstellung an Strom kostet
Die Solltemperatur wirkt über die Laufzeit auf die Rechnung. Je tiefer der Zielwert, desto länger arbeitet der Kompressor und desto stärker strömt Wärme von aussen nach. Drei Szenarien für dieselbe Split-Anlage mit 2.5 kW und SEER 7 an einem 32-Grad-Tag, gerechnet mit 27.7 Rp./kWh:
| Einstellung | Typische Laufzeit pro Tag | Verbrauch pro Tag | Kosten pro Tag |
|---|---|---|---|
| 26 °C, Storen geschlossen, Ventilator | rund 4 Stunden | rund 1.4 kWh | rund 40 Rp. |
| 24 °C, Storen geschlossen | rund 7 Stunden | rund 2.5 kWh | rund 70 Rp. |
| 21 °C, Storen offen | rund 12 Stunden | rund 4.3 kWh | rund 1.20 CHF |
Richtwerte, die Laufzeiten hängen stark von Gebäude und Beschattung ab. Der Punkt ist das Verhältnis: Zwischen der obersten und der untersten Zeile liegt Faktor drei – und der Komfortunterschied ist kleiner, als die Zahlen vermuten lassen, weil die oberste Zeile Ventilator und geschlossene Storen mitbringt.
Über einen Sommer mit 90 Kühltagen entspricht das rund 36 CHF gegenüber rund 108 CHF. Die Formel zum Nachrechnen mit deinen eigenen Werten steht unter Stromverbrauch einer Klimaanlage.
Sonderfälle im Alltag
Homeoffice. Der Raum ist tagsüber besetzt, die Technik gibt Wärme ab und du willst leise arbeiten. Sinnvoll ist eine konstante Einstellung um 25 °C mit Automatikbetrieb beim Lüfter, statt zwischendurch aus- und wieder einzuschalten. Der Wiederanlauf ist der laute Moment, nicht der Dauerbetrieb.
Besuch und volle Räume. Jede Person gibt rund 100 Watt Wärme ab, dazu kommen Beleuchtung und Küche. Bei acht Personen im Wohnzimmer sind das schnell 1 kW zusätzliche Last. Stell die Temperatur nicht tiefer, sondern schalte rechtzeitig vorher ein: Ein Raum, der bei Ankunft der Gäste schon auf Temperatur ist, bleibt es leichter, als ein warmer Raum heruntergekühlt wird.
Abwesenheit über Tag. In einem trägen Massivbau kann es sinnvoll sein, tagsüber moderat weiterzukühlen, statt abends einen aufgeheizten Raum herunterzuholen – besonders, wenn du eine Photovoltaik-Anlage hast und der Strom ohnehin vom Dach kommt, siehe Klimaanlage mit Solarstrom betreiben. In einer Dachwohnung ohne Speichermasse lohnt sich das selten.
Ferienabwesenheit. Anlage ganz aus. Es gibt keinen Grund, eine leere Wohnung zu kühlen. Einzige Ausnahme: Räume mit temperaturempfindlichem Inhalt.
Der Raum wird nicht kühl genug. Bevor du die Solltemperatur senkst, prüf die üblichen Verdächtigen: verschmutzter Filter, verstellte Lamellen, offene Türen zu ungekühlten Räumen, fehlende Beschattung, unterdimensioniertes Gerät. Die Reihenfolge der Fehlersuche steht unter Klimaanlage warten und reinigen.
Die Einstellung in fünf Schritten
- Storen runter, bevor die Sonne aufs Fenster trifft. Jede Kilowattstunde, die gar nicht erst in den Raum kommt, muss die Anlage nicht wegschaffen.
- Solltemperatur auf 25 °C setzen und einen Tag lang so lassen. Die meisten Menschen finden diesen Wert nach kurzer Gewöhnung angenehm.
- Lüfterstufe hoch für 15 Minuten, dann auf Automatik.
- Lamellen nach oben richten, nicht auf den Sitz- oder Schlafplatz.
- Ventilator dazuschalten, wenn es noch nicht reicht – erst dann ein Grad tiefer gehen.
Wer diese Reihenfolge einhält, landet fast immer bei einer höheren Solltemperatur als erwartet, bei gleichem Komfort und einer spürbar tieferen Stromrechnung.
Fazit
Die beste Einstellung deiner Klimaanlage ist meist wärmer, als du denkst. 24 bis 26 °C in Wohnräumen, höchstens rund 6 °C unter der Aussentemperatur, dazu bewegte Luft und geschlossene Storen: Diese Kombination liefert mehr Komfort als eine tief eingestellte Anlage, die den Raum auskühlt, Zugluft erzeugt und die Stromrechnung treibt. Die Solltemperatur ist kein Gaspedal, sondern ein Zielwert – wer sie auf 18 °C stellt, kühlt nicht schneller, sondern nur länger und tiefer als nötig. Und wenn dich die Schwüle stört und nicht die Wärme, ist der Entfeuchtungsbetrieb der richtige Hebel, nicht das nächste Grad.