Ein Kältemittel ist die Arbeitsflüssigkeit, die in deiner Klimaanlage Wärme aus dem Raum aufnimmt und nach draussen transportiert. Bei neuen Splitgeräten ist heute R32 der Standard, mobile Geräte laufen fast durchgehend mit R290 (Propan) – und genau dorthin bewegt sich der ganze Markt, weil synthetische Kältemittel mit hohem Treibhauspotenzial schrittweise vom Markt verschwinden. Wer 2026 kauft, macht mit R32 oder R290 nichts falsch. Von Neugeräten mit dem älteren R410A solltest du dagegen die Finger lassen.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Kältemittel ist der Stoff, der im geschlossenen Kreislauf der Klimaanlage Wärme aufnimmt, transportiert und wieder abgibt.
- Der GWP-Wert sagt, wie stark ein Kilogramm Kältemittel das Klima erwärmt – im Vergleich zu CO₂ (GWP = 1). Richtwerte: R410A rund 2100, R32 675, R290 (Propan) 3.
- R32 ist seit rund zehn Jahren der Standard in Split-Klimaanlagen. Es liegt unter der Schweizer GWP-Grenze von 750 für neue Monosplit-Geräte.
- R290 ist das Kältemittel der Zukunft: natürlich, günstig, praktisch klimaneutral – aber leicht brennbar, weshalb Füllmengen und Aufstellung strenger geregelt sind.
- Die Schweiz regelt Kältemittel in der ChemRRV und lehnt sich dabei an die EU-F-Gase-Verordnung an. Seit dem 1. Januar 2025 dürfen keine neuen Monosplit-Geräte mit GWP ≥ 750 mehr in Verkehr gebracht werden; weitere Verschärfungen folgen ab 2027.
- Bestehende Anlagen dürfen weiterlaufen. Die Entsorgung läuft über SENS eRecycling und ist für Private kostenlos – bezahlt über den vorgezogenen Recyclingbeitrag beim Kauf.
Was macht ein Kältemittel in der Klimaanlage?
Ein Kältemittel ist ein Stoff, der schon bei tiefen Temperaturen verdampft und dabei grosse Mengen Wärme aufnimmt – genau diese Eigenschaft nutzt jede Klimaanlage. Im Innengerät verdampft das Kältemittel und entzieht der Raumluft Wärme. Der Kompressor im Aussengerät verdichtet den Dampf, dadurch steigt seine Temperatur, und im Aussengerät gibt er die Wärme an die Umgebungsluft ab. Danach entspannt ein Ventil das Kältemittel wieder, und der Kreislauf beginnt von vorn.
Wichtig zu verstehen: Das Kältemittel wird dabei nicht verbraucht. Es zirkuliert in einem hermetisch geschlossenen Kreislauf – bei einer dichten Anlage jahrelang ohne Verlust. Klimarelevant wird es nur, wenn es entweicht: durch Leckagen, unsachgemässe Installation oder falsche Entsorgung. Wie der Kreislauf im Detail funktioniert und warum er auch heizen kann, liest du im Ratgeber zu Split-Klimaanlagen.
Was bedeutet GWP – und warum ist der Wert so wichtig?
GWP steht für Global Warming Potential und gibt an, wie stark ein Kilogramm eines Gases das Klima über 100 Jahre erwärmt – verglichen mit einem Kilogramm CO₂, das den Referenzwert 1 hat. Ein Kältemittel mit GWP 2100 heizt das Klima also rund 2100-mal stärker auf als die gleiche Menge CO₂.
Ein Rechenbeispiel macht die Dimension greifbar: Eine typische Monosplit-Anlage enthält je nach Grösse rund 0.5 bis 1.5 kg Kältemittel (Richtwert). Entweicht 1 kg R410A vollständig in die Atmosphäre, entspricht das gut 2 Tonnen CO₂ – etwa so viel, wie ein sparsames Auto auf über 10’000 Kilometern ausstösst. Dasselbe Kilogramm R290 entspricht dagegen rund 3 kg CO₂. Deshalb dreht sich die gesamte Regulierung um eine simple Idee: Kältemittel mit hohem GWP raus, Kältemittel mit tiefem GWP rein.
Zwei Feinheiten noch, damit du Datenblätter richtig liest. Erstens: GWP-Werte stammen aus den Berichten des Weltklimarats IPCC und weichen je nach Berichtsversion leicht voneinander ab – R32 wird mal mit 675, mal mit 677 angegeben. Zweitens: Die Kältemittel-Kurzzeichen folgen einem System: Ein “R” (für Refrigerant) plus Nummer. Synthetische fluorierte Kältemittel wie R32 und R410A gehören zu den sogenannten F-Gasen, natürliche Stoffe wie Propan (R290) oder CO₂ (R744) nicht.
R410A, R32 und R290 im Vergleich
Die drei Kältemittel markieren drei Generationen: R410A war der Standard bis etwa 2020, R32 ist der Standard von heute, R290 ist der Kandidat für die Zukunft. Die Tabelle zeigt die Eckwerte:
| Kältemittel | Typ | GWP (Richtwert) | Brennbarkeit (Sicherheitsklasse) | Verbreitung |
|---|---|---|---|---|
| R410A | synthetisch (F-Gas-Gemisch) | rund 2100 | nicht brennbar (A1) | ältere Splitgeräte, grosser Bestand, keine Neugeräte mehr |
| R32 | synthetisch (F-Gas, Einstoff) | 675 | schwer entflammbar (A2L) | aktueller Standard bei Split- und Multisplit-Geräten |
| R290 (Propan) | natürlich | 3 | leicht brennbar (A3) | mobile Geräte, Monoblock-Wärmepumpen, erste Splitgeräte |
Der Vollständigkeit halber, weil sie dir in Prospekten begegnen können: R454B (GWP rund 466) taucht als Übergangslösung in manchen Wärmepumpen auf, R744 ist schlicht CO₂ (GWP 1) und wird in Grossanlagen eingesetzt, R600a (Isobutan) kühlt seit Jahren die meisten Kühlschränke. Für Wohnraum-Klimaanlagen spielen aber R32 und R290 die Hauptrollen.
Warum wurde R32 zum Standard?
R32 löste R410A ab, weil es bei ähnlicher Technik rund zwei Drittel weniger Treibhauspotenzial hat – und die Regulierung genau das verlangte. Kurios dabei: R410A ist ein Gemisch, das zur Hälfte aus R32 besteht. Die Industrie hat also den klimafreundlicheren Bestandteil zum eigenständigen Kältemittel gemacht.
R32 bringt neben dem tieferen GWP handfeste Vorteile:
- Weniger Füllmenge: R32 transportiert pro Kilogramm mehr Wärme. Geräte kommen mit rund 20 bis 30 Prozent weniger Kältemittel aus (Richtwert).
- Gleiche oder bessere Effizienz: Viele R32-Geräte erreichen leicht bessere SEER- und SCOP-Werte als vergleichbare R410A-Modelle. Was diese Werte bedeuten, erklärt der Ratgeber zu SEER, SCOP und Energieetikette.
- Einstoff statt Gemisch: R32 lässt sich einfacher rezyklieren und nachfüllen, weil sich seine Zusammensetzung nicht verändern kann.
- Regelkonform: Mit GWP 675 liegt R32 unter der Grenze von 750, die in der Schweiz seit 2025 für neue Monosplit-Geräte gilt.
Der Preis dafür: R32 ist schwer entflammbar (Klasse A2L). Das klingt dramatischer, als es ist – R32 entzündet sich nur bei hoher Konzentration und starker Zündquelle, und die Gerätenormen tragen dem Rechnung. Für dich als Käufer heisst es vor allem: Installation und Service gehören in Profihände. Ohnehin ist in der Schweiz für Arbeiten am Kältekreislauf in der Regel eine Fachbewilligung nötig – mehr dazu im Artikel Klimaanlage selber installieren.
Ehrlich eingeordnet: R32 ist eine Übergangslösung. Es bleibt ein synthetisches F-Gas, und die Regulierung zielt langfristig auf natürliche Kältemittel. Das macht ein R32-Gerät heute nicht zum Fehlkauf – aber es erklärt, warum die Entwicklung bei R290 so viel Tempo hat.
Ist R290 (Propan) das Kältemittel der Zukunft?
Für kleine Klimaanlagen und Wärmepumpen spricht sehr viel dafür, dass R290 das langfristige Ziel ist. Propan ist ein natürlicher Stoff mit einem GWP von 3 (nach neueren Bewertungen sogar deutlich darunter), thermodynamisch hervorragend, günstig verfügbar und von keiner F-Gas-Regulierung betroffen. Ein R290-Gerät kann kein künftiges Kältemittel-Verbot treffen – das ist das stärkste Argument für seine Zukunftssicherheit.
In zwei Gerätekategorien ist R290 längst Alltag:
- Mobile Klimageräte: Praktisch alle aktuellen Monoblock-Geräte laufen mit R290, mit bewusst kleinen Füllmengen von typischerweise 0.2 bis 0.3 kg (Richtwert). Ob sich so ein Gerät für dich lohnt, klärt der Ratgeber zu mobilen Klimaanlagen.
- Monoblock-Wärmepumpen: Bei Heizungs-Wärmepumpen ist R290 inzwischen die dominierende Wahl für Aussenaufstellung, weil das Kältemittel komplett draussen bleibt.
Bei Split-Klimaanlagen ist R290 dagegen erst am Anfang. Der Grund ist die Sicherheitsklasse A3 (leicht brennbar): Sobald Kältemittelleitungen durch Wohnräume führen, gelten strenge Anforderungen an Füllmengen, Raumgrössen und Leitungsführung. Die Hersteller arbeiten an Splitgeräten mit minimierter Füllmenge; erste Modelle kommen auf den Markt, die Auswahl ist aber noch klein (Stand: Juli 2026). Wenn du die Bauformen vergleichen willst: Der Artikel Monoblock oder Split zeigt die Unterschiede im Detail.
Kurz: R290 ist bei mobilen Geräten schon heute deine Realität, bei Splitgeräten deine Option von morgen.
Was gilt in der Schweiz? ChemRRV und der F-Gase-Fahrplan
In der Schweiz regelt die Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV, Anhang 2.10) den Umgang mit Kältemitteln – zuständig ist das Bundesamt für Umwelt (BAFU). Die Schweiz übernimmt die EU-F-Gase-Verordnung nicht direkt, lehnt ihre Regeln aber erfahrungsgemäss eng an sie an, mit eigenem Zeitplan und einzelnen Abweichungen.
Die wichtigsten Eckpunkte für Wohnraum-Klimaanlagen, Stand Juli 2026:
- Seit 1. Januar 2025: Monosplit-Geräte mit weniger als 3 kg Füllmenge pro Kältekreislauf und einem Kältemittel mit GWP ≥ 750 dürfen nicht mehr in Verkehr gebracht werden. Das war das faktische Aus für neue R410A-Splitgeräte – R32 (GWP 675) bleibt zulässig.
- Seit 1. Januar 2026: Eine revidierte Fassung des Anhangs 2.10 ChemRRV ist in Kraft, mit weiteren Einschränkungen für Kältemittel mit sehr hohem GWP.
- Ab 1. Januar 2027: Der Bundesrat hat am 29. Oktober 2025 weitere Verschärfungen beschlossen, die sich an der EU-Verordnung 2024/573 orientieren.
Zur Orientierung der EU-Fahrplan für kleine Klimageräte und Wärmepumpen – die Schweiz dürfte sich daran ausrichten, verbindlich ist für sie aber allein die ChemRRV:
| Zeitpunkt (EU) | Regel | Betrifft |
|---|---|---|
| ab 2027 | GWP-Grenze 150 für Monoblock-Geräte bis 12 kW | Neugeräte |
| ab 2027 | GWP-Grenze 750 für Splitgeräte bis 12 kW | Neugeräte |
| ab 2032 | keine F-Gase mehr in Monoblock-Geräten bis 12 kW | Neugeräte |
| ab 2035 | keine F-Gase mehr in Splitgeräten bis 12 kW | Neugeräte |
Zwei Punkte zur Beruhigung. Erstens: Alle diese Regeln betreffen das Inverkehrbringen neuer Geräte. Bestehende Anlagen dürfen weiter betrieben, gewartet und repariert werden – ein R32-Splitgerät, das du heute kaufst, darfst du auch 2040 noch nutzen. Zweitens: Nachfüll-Kältemittel für den Service bleibt verfügbar; nur für Kältemittel mit sehr hohem GWP (über 2500, etwa aus alten Gewerbekälteanlagen) gelten Einschränkungen, die Wohnraum-Klimaanlagen praktisch nicht betreffen. Realistisch ist aber, dass Service-Kältemittel für Altanlagen mit R410A über die Jahre teurer wird, weil die Produktionsmengen sinken.
Übrigens: Die Kältemittel-Frage ist von der Baubewilligung getrennt. Ob dein Aussengerät bewilligungspflichtig ist, hängt vom Kanton und der Gemeinde ab – die Übersicht dazu findest du im Ratgeber Klimaanlage und Bewilligung. Dieser Artikel gibt die Rechtslage nach bestem Wissen wieder, ersetzt aber keine Rechtsberatung – verbindliche Auskünfte gibt dir das BAFU beziehungsweise deine kantonale Fachstelle.
Was bedeutet das für deinen Kauf heute?
Die kurze Antwort: Kauf ein aktuelles Gerät mit R32 oder R290 – beides ist 2026 eine sichere Wahl. Konkret:
- Splitgerät mit R32: Der Normalfall und völlig in Ordnung. Die Anlage läuft 10 bis 15 Jahre und mehr, geniesst Bestandsschutz und lässt sich die ganze Lebensdauer über warten. Dass R32 langfristig abgelöst wird, betrifft Neugeräte von übermorgen – nicht deine Anlage.
- R290-Gerät, wenn verfügbar: Bei mobilen Geräten hast du ohnehin R290. Taucht bei deiner Offerte ein R290-Splitgerät auf, das zu deiner Wohnsituation passt, ist das die zukunftssicherste Variante – achte auf einen Installationsbetrieb mit Erfahrung mit brennbaren Kältemitteln.
- Finger weg von R410A-Neugeräten: Reguläre Händler führen sie nicht mehr. Vorsicht bei auffällig günstigen Restposten oder Direktimporten aus dem Ausland: Ein Gerät mit GWP ≥ 750 darf in der Schweiz gar nicht mehr regulär in Verkehr gebracht werden, und du riskierst steigende Servicekosten.
- Frag nach dem Kältemittel: Seriöse Offerten nennen Kältemittel und Füllmenge. Steht dort R32 oder R290, passt es. Die Angabe findest du auch auf dem Typenschild und der Energieetikette.
Beim Preis spielt das Kältemittel für dich kaum eine Rolle – entscheidender sind Geräteklasse, Montageaufwand und Effizienz. Was eine komplette Anlage inklusive Installation kostet, zeigt der Ratgeber Klimaanlage-Kosten in der Schweiz.
Entsorgung und Rücknahme: Wohin mit Altgerät und Kältemittel?
Ausgediente Klimageräte gehören ins Schweizer Elektro-Recyclingsystem – für Privatpersonen ist die Rückgabe kostenlos, weil beim Kauf ein vorgezogener Recyclingbeitrag (vRG/vRB) im Preis enthalten war. Konkret heisst das:
- Mobile Geräte gibst du bei jeder Verkaufsstelle zurück, die solche Geräte führt, oder bei einer offiziellen SENS-Sammelstelle. Händler sind zur Rücknahme verpflichtet, auch ohne Neukauf.
- Fest installierte Splitgeräte demontiert der Installationsbetrieb. Er saugt das Kältemittel mit einem Absauggerät ab und führt Gerät und Kältemittel der fachgerechten Entsorgung zu – üblicherweise über das SENS-System und spezialisierte Recycler. Kläre bei der Offerte für ein Neugerät, ob Demontage und Entsorgung des Altgeräts inbegriffen sind.
- Niemals selbst ablassen: Das Kältemittel einer alten Anlage einfach entweichen zu lassen ist verboten und macht in einer Minute mehr Klimaschaden, als das Gerät in Jahren Betrieb je verursacht hat. Bleibt das Kältemittel im Gerät, übernimmt der zertifizierte Recyclingbetrieb das Absaugen.
Ein gepflegtes Gerät kommt gar nicht so schnell in die Entsorgung: Regelmässige Kontrolle hält den Kreislauf dicht und die Effizienz hoch – und verschiebt den Gang zur Sammelstelle um Jahre.
Fazit
Kältemittel sind das unsichtbare Herz jeder Klimaanlage – und der Grund, warum sich der Markt gerade neu sortiert. R32 ist heute der solide Standard: regelkonform, effizient und mit Bestandsschutz für viele Jahre. R290 ist die Zukunft, bei mobilen Geräten schon Gegenwart, bei Splitgeräten im Kommen. Wer 2026 ein aktuelles Gerät mit R32 oder R290 kauft und es fachgerecht installieren und am Lebensende über das SENS-System entsorgen lässt, ist regulatorisch wie ökologisch auf der sicheren Seite. Nur von R410A-Restposten solltest du dich fernhalten – die Zeit dieses Kältemittels ist abgelaufen.